Bloch

Blọch 〈m. 2u oder n. 12u; süddt.; österr.; schweiz.〉 Holzblock, roh behauener Stamm [→ Block]

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Blọch, der od. das; -[e]s, Blöcher, österr.: -e [mhd. bloch, ahd. bloh(h), hochd. Form von Block] (südd., österr.):
gefällter u. von Ästen gesäuberter Baumstamm.

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Blọch,
 
1) [englisch blɔk], Ernest, amerikanischer Komponist schweizerischer Herkunft, * Genf 24. 7. 1880, ✝ Portland (Oregon) 15. 7. 1959; wurde 1920 Direktor des Institute of Music in Cleveland (Ohio), 1925 des Konservatoriums von San Francisco; suchte nach spätromantischen Anfängen einen spezifisch jüdischen Stil zu schaffen.
 
Werke: Oper: Macbeth (1910).
 
Orchesterwerke: Israel (1916; für 5 Solostimmen und Orchester); Israel (1917; Sinfonie); Schelomo, a Hebrew rhapsody (1917; für Violoncello und Orchester); Voice in the wilderness (1936; sinfonische Dichtung mit obligatem Violoncello); Violinkonzert (1938); Klavierkonzert (1948); Sinfonie Es-Dur (1955).
 
Kammermusik: 5 Streichquartette (1916-56).
 
 
R. Strassburg: E. B., voice in the milderness (Los Angeles, Cal., 1977).
 
 2) Ernst, Philosoph, * Ludwigshafen am Rhein 8. 7. 1885, ✝ Tübingen 4. 8. 1977; war nach dem Studium der Philosophie, Musik und Physik freier Schriftsteller; 1933-48 im Exil (seit 1938 in den USA), wurde dann Professor für Philosophie in Leipzig, erhielt 1955 den Nationalpreis der DDR. Blochs Konzept eines undoktrinären, freiheitlichen Sozialismus begegnete zunehmend der Kritik vonseiten der SED und ihr nahe stehender Fachkollegen. 1957 wurde Bloch zwangsemeritiert, 1961 wechselte er in die Bundesrepublik Deutschland über, wurde Gastprofessor in Tübingen; 1967 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.
 
Auf dem Boden des dialektischen Materialismus entwickelte Bloch, anknüpfend an Aristoteles, G. W. F. Hegel und die jüdisch-christliche Eschatologie, eine Philosophie der Hoffnung. Konkrete Utopien und menschliche Hoffnungen, wie sie sich in Tagträumen, Phantasien, aber auch in den Produktionen von Kunst, Technik, Dichtung, Philosophie und Religion äußern, beziehen sich nach Bloch als Reflexion des je »Noch-nicht-Bewussten« auf das »Noch-nicht-Seiende«, die in der Welt verborgen und angedeutet (als »Vor-Schein«) liegenden Möglichkeiten zu einem besseren, humaneren Leben. Sie weisen damit auf die Möglichkeit des Menschen, bewusst planend und aktiv verändernd auf die Entwicklung von Natur, Mensch und Gesellschaft einzuwirken. Die Vollendung von Mensch und kosmischer Natur, die in einem dialektisch vorantreibenden Prozess erfolge, sieht Bloch als Fernziel in der Beseitigung menschlicher Knechtung und Erniedrigung und der Aufhebung von Entfremdung, sowohl in der Gesellschaft als auch zwischen Mensch und Natur, verwirklicht. In seine Philosophie hat Bloch reiches Material aus Kultur-, Religions-, Ideengeschichte eingearbeitet. Blochs Hauptwerk »Das Prinzip Hoffnung« (geschrieben 1938-47) erschien 1954-59 in 3 Bänden.
 
Weitere Werke: Geist der Utopie (1918, 2. Fassung 1923); Thomas Münzer als Theologe der Revolution (1922); Spuren (1930); Erbschaft dieser Zeit (1935); Subjekt - Objekt. Erläuterungen zu Hegel (1951); Naturrecht und menschliche Würde (1961); Verfremdungen, 2 Bände (1962-64); Tübinger Einleitung in die Philosophie, 2 Bände (1963-64); Atheismus im Christentum. Zur Religion des Exodus und des Reichs (1968); Philosophische Aufsätze zur objektiven Phantasie (1969); Experimentum mundi. Frage, Kategorien des Herausbringens, Praxis (1975).
 
Ausgaben: Gesamtausgabe, 16 Bände und Ergänzungsband (1959-78); Abschied von der Utopie? Vorträge, herausgegeben von H. Gekle (1980); Briefe. 1903-1975, herausgegeben von K. Bloch u. a., 2 Bände (1985).
 
 
E. B. zu ehren, hg. v. S. Unseld (1965);
 A. Jäger: Reich ohne Gott. Zur Eschatologie E. B.s (Zürich 1969);
 R. Damus: E. B. Hoffnung als Prinzip, Prinzip ohne Hoffnung (1971);
 
E. B.s Wirkung. Ein Arbeitsbuch zum 90. Geburtstag (1975);
 H. H. Holz: Logos spermatikos. E. B.s Philosophie der unfertigen Welt (1975);
 
Utopie - marxisme selon E. B., hg. v. G. Raulet (Paris 1976);
 G. Raulet: Humanisation de la nature, naturalisation de l'homme. E. B. ou le projet d'une autre rationalité (Paris 1982);
 A. F. Christen: E. B.s Metaphysik der Materie (1979);
 P. Zudeick: Die Welt als Wirklichkeit u. Möglichkeit (1980);
 
B.-Almanach, hg. vom Ernst-Bloch-Archiv. .. Ludwigshafen (1981 ff., jährl.);
 
Denken heißt überschreiten. In memoriam E. B. 1885-1977, hg. v. K. Bloch u. a. (Neuausg. 1982);
 
Materialien zu E. B.s »Prinzip Hoffnung«, hg. v. Burghart Schmidt (21985);
 
Verdinglichung u. Utopie. E. B. u. Georg Lukács zum 100. Geburtstag. Beitrr. des internat. Kolloquiums in Paris, März 1985, hg. v. A. Munster u. a. (1987);
 S. Markun: E. B. (30.-32. Tsd.1990);
 E. Kruttschnitt: E. B. u. das Christentum (1993);
 M. Riedel: Tradition u. Utopie. E. B.s Philosophie im Licht unserer geschichtl. Denkerfahrung (1994).
 
 3) [englisch blɔk], Felix, amerikanischer Physiker schweizerischer Herkunft, * Zürich 23. 10. 1905, ✝ ebenda 10. 9. 1983; wirkte u. a. in Zürich und Leipzig sowie in den USA, wo er 1934 an der Stanford University in Palo Alto (Calif.) eine Professur erhielt. Bloch veröffentlichte grundlegende Arbeiten u. a. zur Quantentheorie des Festkörpers und zur Elektronengastheorie der metallischen Leitung, zur Abbremsung von Teilchen beim Durchqueren von Materie (Bremsvermögen), zum Ferromagnetismus sowie zur Quantenelektrodynamik. 1946 entwickelte Bloch im Anschluss an I. Rabi eine Kernresonanzmethode zur genauen Messung der magnetischen Momente von Atomkernen (Kerninduktion), die v. a. für die Untersuchung der Struktur chemischer Verbindungen von Bedeutung ist (NMR-Spektroskopie); hierfür erhielt er 1952 zusammen mit E. M. Purcell den Nobelpreis für Physik.
 
 4) Iwan, Pseudonym Eugen Dühren, Dermatologe, * Delmenhorst 8. 4. 1872, ✝ Bern 19. 11. 1922; war als Arzt in Berlin tätig, einer der Begründer der modernen Sexualwissenschaft.
 
Werke: Der Ursprung der Syphilis (1901); Beiträge zur Ätiologie der Psychopathia sexualis (1903); Das Sexualleben unserer Zeit in seinen Beziehungen zur modernen Kultur (1907); Die Prostitution (1912).
 
Herausgeber: Handbuch der gesamten Sexualwissenschaft in Einzeldarstellungen, 3 Bände (1912-25).
 
 5) [englisch blɔk], Konrad Emil, amerikanischer Biochemiker deutscher Herkunft, * Neisse 21. 1. 1912,✝ Boston 15. 10. 2000; emigrierte 1936 in die USA, wurde 1946 Professor an der University of Chicago, 1954 an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Bloch erhielt für Arbeiten über den Cholesterin- und Fettsäurestoffwechsel 1964 mit F. F. K. Lynen den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin.
 
 6) [blɔk], Marc, französischer Historiker, * Lyon 6. 7. 1886, ✝ zwischen Trévoux und Saint-Didier-de-Formans (Département Ain) 16. 6. 1944; entstammte einer jüdisch-elsässischen Familie; lehrte 1919-42 an verschiedenen Universitäten, war u. a. 1921-36 Professor in Straßburg, 1936-40 an der Sorbonne. Er gründete 1929 mit L. Febvre die geschichtswissenschaftliche Zeitschrift »Annales d'histoire économique et sociale«, die namengebend für eine historiographische Schule wurde (École des Annales). Im Zweiten Weltkrieg zog sich Bloch nach dem Einmarsch deutscher Truppen zunächst in das vom Vichy-Regime verwaltete Südfrankreich zurück. 1943 schloss er sich der Résistance an; 1944 wurde er von der Gestapo verhaftet und erschossen. Bloch, der als einer der bedeutenden Vertreter der modernen sozialgeschichtlichen Forschung in Frankreich gilt, forderte eine wissenschaftliche Darstellung des Menschen in seiner sozialen Bedingtheit und hatte wesentlichen Anteil an der Etablierung von Mentalitätsgeschichte und Strukturgeschichte in der Historiographie.
 
Werke: Rois et serfs (1920); Les rois thaumaturges (1924); La société féodale, 2 Bände (1939-40; deutsch Die Feudalgesellschaft); L'étrange défaite. Témoignage écrit en 1940 (herausgegeben 1946; deutsch Die seltsame Niederlage); Mélanges historiques, 2 Bände (herausgegeben 1963).
 
 
U. Raulff: Ein Historiker im 20. Jh.: M. B. (1995).

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Blọch, der od. das; -[e]s, Blöcher, österr.: -e [mhd. bloch, ahd. bloh(h), hochd. Form von ↑Block] (südd., österr.): Holzblock, Holzstamm.

Universal-Lexikon. 2012.

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